Heute waren wir im Wald. Es war ein frischer, heller Tag und ein Glimps von Frühling lag in der Luft. Ich hatte mir gewünscht Tiere zu sehen.
Erst vor knapp zwei Wochen hatten wir tatsächlich die Mufflon-Herde zu Gesicht bekommen, die in diesem dreieckförmigen Stück Wald zwischen Potsdam-Babelsberg und Berlin-Wannsee leben.

Mufflons sind unsere europäischen Urschafe und extrem scheu. Meistens bekommt man sie nicht zu Gesicht. An jenem Tag hatten wir plötzlich den gleichen Impuls, einen anderen Weg einzuschlagen, den wir bisher nie gegangen waren. Es war ein ansteigender und weicher Weg aus Gräsern und Moosen, und nach ein paar Metern sahen wir sie: etwa 20 Mufflons verschiedenen Alters, darunter etliche Böcke mit stolz gezwirbeltem Gehörn. Sie sahen uns auch, und weil wir wie angewurzelt stehenblieben, fühlten sie sich wohl sicher und setzten ihr Mittagessen fort. Für uns war es magisch – ein wunderschönes, beglückendes Geschenk.

Baumharze

Heute gab es ein anderes Geschenk: Ich hatte kürzlich ein Buch gelesen über heimische Räucherpflanzen und war total angepiekt. Wusstest du, dass wir in unseren Gefilden jede Menge super starke Räucherpflanzen haben? Mir war das Ausmaß nicht bewusst – so habe ich mir bis jetzt Weihrauch aus dem Orient oder Healing-Herbs-Räucherstäbchen aus dem Himalaya gekauft.

Jetzt weiss ich aber, dass ich nur in die heimische Natur gehen muss und dort alles finde, was ich brauche. Heute fanden wir Harze. Harze kann man immer ernten – natürlich achtsam und in Kommunikation mit dem Baum. Am besten nimmt man sich auch ein paar Opfergaben für die Natur mit, wie zum Beispiel eine Handvoll Fünfkornmischung oder dergleichen.
Es ist immer ganz lustig: Ich spreche aus, dass ich Harze ernten möchte, und kurz darauf findet Caspar einen passenden Baum mit richtig viel Harz. Ein andermal ging das mal mit ’ner Krausen Glucke so (das ist ein Pilz).

Wo das Harz herkommt? Wenn der Baum in seiner Rinde verletzt ist, produziert er das Harz, um diese Stelle zu versiegeln – so ’ne Art Wundpflaster. Dabei ist der Baum manchmal so verschwenderisch mit dem Harz, dass es im Überfluss am Stamm klebt und dicke Klumpen bildet. Davon kann man sich, im Einverständnis mit dem Baum, vorsichtig etwas ablösen, ohne die ursprüngliche Wunde wieder bloß zu legen.
Der Baum war eine Fichte, und eigentlich waren es zwei: zwei dicke Stämme, ganz eng aneinander gewachsen – ein siamesischer Zwilling, sozusagen. Wir kehrten mit einem kleinen Beutel Harzklümpchen zurück nach Hause. Einige von ihnen haben jetzt schon die goldbraun leuchtende Farbe von Bernstein.

Wir werden ein Teil davon die Tage nutzen, um unsere Wohnung auszuräuchern. Das passt jetzt ganz gut in die Zeit, in der das Licht wieder zunimmt. Die Wirkung beim Räuchern von Fichtenharz: Heilung von alten Wunden, Klarheit, Konzentrationsfähigkeit, Reinigung und Schutz,  Erweiterung im Brustraum und Herzbereich.

Ein Tier haben wir dann auch noch gehört: Die Rufe eines Bussards begleiteten uns auf unserem Ausflug. Und leere Schneckenhäuser haben wir gefunden, jede Menge, von Natur aus in einem edlen, wie weiß-gewischten Vintage-Look.

weiße Schneckenhäuser